Gesundheitliche Vorausplanung – Wenn Sie mit einer Erkrankung leben

Der iPlan begleitet Sie und Ihre Angehörigen durch die vier Bereiche Ihrer gesundheitlichen Vorausplanung.

Was bedeutet der iPlan für Sie?

Der iPlan richtet sich an Patientinnen und Patienten, Angehörige und Fachpersonen. Er bringt alle auf einen gemeinsamen Weg.

Wenn Sie mit einer chronischen oder fortgeschrittenen Erkrankung leben, gewinnt die gesundheitliche Vorausplanung an Dringlichkeit. Die vier iPlan-Bereiche helfen Ihnen, Ihre Situation einzuschätzen, Ihre Wünsche festzuhalten und Ihr Umfeld einzubeziehen.

Gemeinsam mit Fachpersonen werden schwierige Themen besprochen und Hand in Hand auf Augenhöhe ein Plan B erarbeitet. 

Die Grundidee: Für schlechtes Wetter vorausplanen – und sich über besseres Wetter freuen.

„Mein ganzes Leben lang habe ich wichtige Dinge vorausgeplant – für die Familie, mit den Kindern und Enkeln. Jetzt plane ich mit meiner Familie voraus, für den Fall, dass sich mein Körper nicht mehr erholt. «Was wäre, wenn…? – da bin ich mit meinen Wünschen und Vorstellungen gefragt.“

Daniel, 83 Jahre
Maria, 63 Jahre
Daniel, 83 Jahre

Deine Begleiter auf dieser Seite:
Daniel 83: zunehmend gebrechlich, lebt mit Frau.

Maria 63: fortgeschrittene unheilbare Krebserkrankung.

Prognose einschätzen


Wie entwickelt sich meine Situation?

Prognose – gemeinsame Einschätzung mit Fachpersonen

Ein wichtiger Zeitpunkt, mit der GVP zu starten ist, wenn die eigenen Kräfte sich im Alltag spürbar verändern. 

Die erste gemeinsame Einschätzung der Situation und der weiteren Entwicklung bildet die Basis für den iPlan. Es braucht Mut, darüber nachzudenken – aber diese Auseinandersetzung schützt Sie und entlastet Ihre Liebsten.

Im Gespräch mit Gesundheitsfachpersonen als ein Expert:Innen Treffen, können Sorgen und Ängste, aber auch Hoffnungen und Erwartungen besprochen werden. 

Fragen, die Sie leiten können

Nehmen Sie sich Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme. Was belastet Sie derzeit am meisten? Gibt es Dinge, die Ihnen Kraft geben? Wie schätzten Sie Ihren Gesundheitszustand aktuell ein? 

Welche Informationen haben Sie bereits erhalten? Welche fehlen Ihnen noch? Welche Fragen möchten Sie mit Ihrer Ärztin / Ihrem Arzt klären?

Was können Sie noch gut selbstständig tun? Wobei brauchen Sie Unterstützung? Gibt es bereits Strategien die Ihnen helfen mit den Auswirkungen umzugehen? 

Versuchen, Sie sich Gedanken über mögliche Verläufe zu machen – auch wenn die Zukunft unsicher bleibt.

Mit wem können Sie über diese Gedanken sprechen? Manchmal hilft es, einen ersten Schritt zu wagen.

Beispiel

Maria wurde kürzlich mit einer fortgeschrittenen unheilbaren Krebserkrankung diagnostiziert. Sie hat einen Termin beim Palliative-Care-Team, um ihre Situation und die nächsten Schritte zu besprechen.

Daniel hat sich zu Hause Gedanken gemacht und spricht das Thema bei seinem Hausarzt an. Er merkt, dass er zunehmend gebrechlich wird, und möchte vorbereitet sein. Sein Arzt erklärt ihm, was möglicherweise auf ihn zukommt – und ermutigt ihn, mit seiner Familie zu sprechen.

Wichtig: Machen Sie sich zuerst selber Gedanken aber anschliessend sollte diese Einschätzung gemeinsam mit einer Fachperson erfolgen – z.B. Hausärztin, Hausarzt, betreuuende Fachärztin, Facharzt (z. B Onkolog:In) oder Palliative-Care-Team.

Lebensqualität erfassen


Was ist mir wichtig? Was belastet? Was hilft?

Lebensqualität – Hauptanliegen erfassen nach SENS

Der zweite Bereich fokussiert auf Ihre Lebensqualität. Ein strukturiertes Vorgehen nach SENS hilft, Ihre Hauptanliegen und -sorgen zu erfassen:

S – Symptome: Machen körperliche Symptome Sorgen?
E – Entscheidungsfindung: Welche Ziele und Werte sind wichtig?
N – Netzwerk: Wer kann bei Komplikationen zuhause helfen?
S – Support: Ist jemand in der Familie stark belastet?

Fragen, die Sie leiten können

Was gibt Ihnen Lebensfreude? Was wäre für Sie ‚kein Leben mehr‘? Was gibt Ihrem Leben einen Sinn?

Körperliche Symptome, emotionale Belastungen, praktische Sorgen im Alltag – benenne, was Sie am meisten beschäftigt.

Zu Hause, im Pflegeheim, im Hospiz, im Spital? Was braucht es dafür, und wer kann dabei unterstützen?

Was macht Ihnen Freude und was macht Sie glücklich? Zum Beispiel: Am Geburtstag der Enkelin dabei sein. Welche Ziele möchten Sie noch erreichen?

Menschen, Hobbys, Rituale, Glaube – was gibt Ihnen Kraft?

Beispiel

Maria macht sich zunächst alleine Gedanken zu ihrer Lebensqualität. Anschliessend füllt sie gemeinsam mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern schrittweise das SENS-Arbeitsblatt aus. Dieses dient ihr nun als Grundlage für das Gespräch mit dem Palliative-Care-Team.

Daniel hat zu Hause mit seiner Frau und Kinder über seine Werte, Wünsche und Vorstellungen bezüglich medizinischen Massnahmen gesprochen. Dabei haben die Antizip’agieren-Spielkarten geholfen. Durch den Hausarzt wurde die Spitex zur Entlastung involviert.

Was ist die SENS - Struktur

Fachpersonen und Betroffenen bearbeiten die vier SENS – Themenbereiche, sodass gemeinsam als Expert:In miteinander und koordiniert geplant werden kann – um nicht in einer vielzahl von Aufgaben unterzugehen.

Das Arbeitsblatt kann und soll schrittweise bearbeitet werden. 

Aktionsplan besprechen


Was machen wir, wenn …?

Aktionsplan – konkrete Schritte für Behandlung und Notfälle

Im dritten Teil wird ein praktischer Aktionsplan mit konkreten Schritten erstellt. Ihr besprecht gemeinsam, was zu tun ist – auch in Notfallsituationen. Zum Beispiel: Was tun, wenn nachts um 2 Uhr plötzlich unkontrollierte Symptome auftreten?

Es werden wichtige Dokumente wie die Patientenverfügung erstellt und der Wille zur Organspende geäussert. 

Eine Möglichkeit ist der Runde Tisch – eine moderierte Besprechung mit allen Beteiligten (Familie, Hausarzt, Spitex, Palliative Care Team, Spezialist). Dies hilft, ein besseres Verständnis zu schaffen. 

Fragen, die Sie leiten können

Wer ist Ansprechperson für welche Entscheidungen? Was soll in einem medizinischen Notfall geschehen – und was ausdrücklich nicht?

Spitex, Angehörige, Nachbarschaft, Mahlzeitendienst – wer kann konkret helfen, und ab wann?

Gibt es Möglichkeiten für Entlastungsangebote, Kurzaufenthalte, psychologische Unterstützung für Nahestehende?

Überlegen Sie frühzeitig, welche Alternativen (Pflegeheim, Palliativstation, Hospiz) in Frage kommen – und was Sie sich dabei vorstellen.

Der Runde Tisch ist eine moderierte Besprechung mit allen Beteiligten. Er wird durch eine Fachperson organisiert. Überlege, wen Sie dabei haben möchten.

Beispiel

Maria hatte eine Verschlechterung ihres körperlichen Zustand und wird auf der Palliativstation betreut. Dort wird die weitere Betreuung geplant. Bei einem Runden Tisch werden auch Fachpersonen der zukünftigen Betreuung zu Hause – z.B. die Spitex – einbezogen. So wird der Austritt nach Hause konkret vorbereitet.

Daniel konnte beim Erstgespräch mit der Spitex seine Hauptanliegen besprechen. Gemeinsam wurde auch darüber gesprochen, welche Möglichkeiten es gibt, falls es zu Hause nicht mehr geht. Für die Treppen wird nun ein Treppenlift organisiert..

Pragmatische Planung

Planung der Behandlung und Betreuung. Vorbereitung auf mögliche Komplikationen oder Notfällen. Medizinische Einschätzung werden verständlich erklärt.

Unterstützungsangebote

Kenntnis der zuständigen Institutionen und Angebote, damit passende Unterstützung frühzeitig eingebunden werden kann.

Selbstmanagement

Lernen, welche Massnahmen bei akuten Symptomen egriffen werden könnnen und wer zu kontaktieren.

Dokumente für den Aktionsplan: Patientenverfügung · Betreuungs- und Behandlungsplan · Medizinische Notfallanordnung (ÄNO) · Notfallplan. Diese werden gemeinsam mit den Fachpersonen besprochen und erstellt.

Netzwerk informieren


Wer ist zuständig wofür? Wer muss informiert sein?

Netzwerk – Dokumente verteilen und Rollen klären

Erst wenn die Inhalte des iPlan bekannt sind, kann die Umsetzung gelingen. Informieren Sie Ihr Netzwerk – Angehörige, Freunde und Gesundheitsfachpersonen – über Inhalt und Ablageort der wichtigsten Dokumente.

Fragen, die Sie leiten können

Klären Sie gemeinsam mit Angehörigen und Fachpersonen, wer welche Aufgaben und Verantwortlichkeiten übernimmt.

Hausärztin / Hausarzt, Spitex, Notfalldienst, Kinder, nahestehende Freunde – wer braucht Kenntnis von Ihren Dokumenten und deren Inhalt mit Ihren Wünschen?

An einem zugänglichen, leicht auffindbaren Ort zu Hause. Kopie beim Hausarzt. Vertretungsperson muss über den Ablageort informiert sein. Notfall-ID im Portemonnaie?

Wenn Sie regelmässig Medikamente einnehmen, dann sollte eine aktuelle Medikamentenliste rasch greifbar aufbwahrt werden – wichtig für Rettungsdienste.

Beispiel

Maria und ihr Ehemann informieren ihre Kinder über die getroffenen Entscheidungen. Langjährige Nachbarn werden einbezogen und gefragt, ob sie im Notfall unterstützen können. Die Dokumente werden zu Hause aufbewahrt, eine Kopie beim Hausarzt hinterlegt.

Daniel hinterlegt seine Patientenverfügung beim Hausarzt und bespricht mit seinen Kindern, was darin steht. Die Gespräche entlasten ihn – und seine Kinder – spürbar.


Falls bereits ein Testament besteht oder erstellt werden sollte, ist dieser Zeitpunkt ebenfalls geeignet, um Anpassungen vorzunehmen. Auch über den eigenen digitalen Nachlass sollte nachgedacht werden.


Nutzen für Sie im Umgang mit Gesundheitsfachpersonen

Die Auseinandersetzung mit der gesundheitlichen Vorausplanung hilft Ihnen, Ihre Gedanken zu sortieren, sie festzuhalten und mit nahestehenden Personen zu besprechen.

Nehmen Sie ihre Notizen, Fragen und erstellten Dokumente zu Terminen mit.

Gleichzeitig kann die vorherige Auseinandersetzung und Besprechung mit Ihren Angehörigen dabei helfen, dass diese Sie bei Gesprächen mit Fachpersonen unterstützen und Ihnen den Rücken stärken, damit Ihre Vorstellungen gehört und verstanden werden.

Nutzen für die Gesundheitsfachpersonen

Ein gut strukturiertes Vorgehen bietet für Fachpersonen den Vorteil, dass in akuten, lebensbedrohlichen Situationen klare Regelungen vorliegen.

Es ist ersichtlich, welche Wünsche die betroffene Person hat und welche Massnahmen entsprechend eingeleitet werden sollen.

In Notfallsituationen müssen keine Entscheidungen unter Zeitdruck getroffen werden, da diese bereits im Voraus geklärt wurden.

Dies trägt zur Patientenzufriedenheit bei und verbessert das Verständnis und die Zusammenarbeit innerhalb des Behandlungsteams.