Für Fachpersonen

Finde Informationen über Schulungsangebote, Hilfsmittel für den Alltag und aktuelle Entwicklungen.

Was sind die Aufgaben als Fachperson
Es ist unsere Aufgabe, schwierige Themen proaktiv anzusprechen. Dabei ist es wichtig zu erkennen: Wann ist der Zeitpunkt, um mit der GVP zu starten? Es ist fast nie zu früh, aber oft zu spät ...
Wissen aneignen zum iplan Prozess
Schauen Sie sich die Informationen im Reiter 'Starten Sie mit der gesundheitlichen Vorausplanung' an. Dort finden Sie alle wichtigen Informationen und Aufgaben die Sie als Fachperson übernehmen können.
Starten Sie mit Ihrer GVP
Vertiefende Informationen zum iplan
Weiter unten finden Sie zu allen vier Bereichen vertiefende Informationen und Hilfsmittel für den Alltag. Zur Orienterung im Alltag empfehlen wir Ihnen den iPlan Pocket Guide im Kitteltaschenformat.
iplan Pocket Guide

Schulungsangebote Palliative Akademie Bern

Die Palliative Akademie Bern bietet Kurse und Weiterbildungen für Fachpersonen im Gesundheitswesen an – von Grundlagen der Palliative Care bis zur vertieften Auseinandersetzung mit der gesundheitlichen Vorausplanung.

Für eine Überweisung zur ambulanten Sprechstunde des Palliativzentrums Bern genügt eine Zuweisung durch die Hausärztin / den Hausarzt oder eine Spezialistin.

Vertiefende Informationen und Hilsfmittel

Hier finden Sie als Fachpersonen ergänzende Informationen, Gesprächshilfen und unterstützende Materialien zu den vier Bereichen des iPlan. Die Unterlagen erleichtern die Begleitung von Betroffenen und können im Alltag eingesetzt und abgegeben werden. 

Prognose einschätzen

Patient:Innen brauchen eine realistische Wegleitung. Spätestens wenn alltägliche Aktivitäten schwerer fallen, sollte eine gesundheitliche Vorausplanung zum Thema werden.

Daher ist es wichtig, als Fachperson:

  • Den Bedarf an Palliative Care erkennen
  • schwierige Verläufe und das Thema Lebensende ansprechen
  • Interprofessionelle Kommunikation – wer übernimmt welchen Schritt
  • Betroffene über die GVP und Palliative Care informieren

Let’s talk about the elephant in the room.

Gesprächshilfen für den Einstieg

Wie gut kennen wir uns? Habe ich alle für mir wichtigen Informationen um ein solches Gespräch zu führen?

Wie geht es mir heute? Wie sieht mein Stresslevel aus? Zeit?

Wir führen das Gespräch als Expert:innen – Meeting 

Klärung, wie gut wir uns gegenseitig kennen/ sich vorstellen, dann: Was ist Ihr wichtigstes Anliegen an unser heutiges Gespräch? Welche Fragen möchten Sie nach diesem Gespräch beantwortet oder zumindest besprochen haben?

Einschätzung Patient:In (Fokus illness): Wie erleben Sie den Verlauf Ihrer Erkrankung, insbesondere Ihrer Kräfte/Energie in den letzten Tagen/Wochen?

Einschätzung Fachperson – Pflege (Fokus disease): Darf ich Ihnen meine Beobachtungen und Einschätzungen zu Ihrem Befinden und den Veränderungen /Entwicklungen Ihrer Situation in den letzten Tagen / Wochen teilen?

Einschätzung Fachperson – Ärztin / Arzt (Fokus disease): Darf ich mit Ihnen meine Einschätzung zum bisherigen Verlauf Ihrer Erkrankung teilen?

 

 

 

 

Bereitschaft für die ‘doppelte Planung’ ansprechen:

Haben Sie sich/ gemeinsam mit Angehörigen schon Gedanken gemacht, ob es hilfreich wäre, für die Zukunft auch einen Plan B zu machen für den Fall, dass sich Ihre Kräfte weiter verändern/ verschlechtern würden? (das Erleben ansprechen).

Hilfsmittel: P-CaRES Screening

Lebensqualität erfassen

Wichtig hier, die Hauptanliegen und – sorgen der Betroffenen erfassen, sowie die Entwicklung einer gemeinsamen Sprache.

Ziel ist die Erfassung der:

  •  individuellen Probleme aus Sicht der Patient:in.
  • Erwartungen, Ziele und Wünsche.

Mögliches Vorgehen:

SENS Informationsbroschüre

Die SENS Informationsbroschüre und je nach Situation das SENS Arbeitsblatt den Patientinnen und Patienten abgeben.

SENS Struktur

SENS ist ein praktisch orientiertes Raster zur Erfassung, Therapieplanung und Evaluation bei chronisch fortschreitenden und lebenslimitierenden Krankheiten. SENS soll in schwierigen Situationen sowie im Alltag weiterhelfen. Durch den partizipativen Ansatz wird die Selbstwirksamkeit der Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer neuen Situation gestärkt.
SENS Dokumente

Schwerpunkte identifizieren

Idealerweises gemeinsames Anamnesegespräch Ärzt:In und Pflege. Zusammen mit Betroffene und Angehörige Prioritäten und Schwerpunkte identifizieren.

SENS Raster

SENS orientiert sich an zentralen Palliative-Care-Themen in einem Raster, das verständlich, simpel und für alle Involvierten einfach zu lernen ist. Auch das Anamnesegespräch und deren Dokumentation kann anhand des SENS Raster strukturiert werden.
SENS Struktur

Prioritäten besprechen

Gemeinsam weitere Hospitalisation und Austrittsplanung definieren. Priorität kann auch die Organisation eines Netzwerks sein. Nicht nur pflegerische / medizinische Probleme.​

Prioritäten

Anhand der SENS Struktur können nun die zurzeit Prioritären Schwerpunkte für die weitere Planung und Betreuung festgelet werden. Wichtig alle Beteiligte sind Expert:In auf Ihrem Gebiet.

Palliative Care

Ärzt:In und Pflege entscheiden, ob ein Palliative Care Konsilium angefordert werden soll.

Einbezug Palliative Care

Bei komplexe Krankheitssituationen mit einem instabilem Verlauf ist es sinnvoll, das Palliative Care Team in die Behandlung und Betreuung einzubeziehen. Dabei geht es darum verschiedene mögliche Entwickungen vorausschauend und parallel, abgestimmt auf die Bedürfnisse und Ziele der Patient:innen zu planen.
Palliative Care Inselspital
SENS Struktur Übersicht

Die SENS-Struktur basiert auf der thematischen Auswertung von 500 Konsilien der Palliativberatung am Kantonsspital St. Gallen als Teil der Erarbeitung von Qualitätsstandards in der Palliative Care.

Verschiedene Studien belegen die Wirksamkeit: u.a. der SENS Trial (SNF), sowie Publikationen zu Early Palliative Care Integration. Alle Links auf der SENS-Webseite.

Hilfsmittel

Aktuelle Situation: Wie geht es Ihnen jetzt gerade? 

Sorgen- und Ressourcen: Wie wirkt sich die Erkrankung aktuell auf Ihren Alltag aus? Kam es zu Komplikationen, Notfällen, Einschränkungen? Was sind im Hinblick auf Ihren zukünftigen Gesundheitszustand Ihre Gedanken, Ihre grössten Ängste und Sorgen? Aber auch: Was geht (noch/weiterhin) gut, was hilft und gibt Ihnen Kraft?

S(ymptome) > Machen körperliche Symptome Sorgen? Wenn ja, welche? Psychische Symptome inkl. Unruhe/Angst/Schlafstörung? Soziale Veränderungen: Einschränkungen (bspw. Betreuung der Enkelkinder kaum mehr möglich)?

E(ntscheide) > Ziele: Was macht aktuell Ihr Leben (trotz der Einschränkungen) lebenswert? Welche Ziele/ Wünsche/ Anliegen sind Ihnen wichtig, auch wenn die Erkrankung fortschreitet? Welche Veränderungen / Verbesserungen wären für sie wichtig, damit Sie der Behandlung / Therapie zustimmen können? Weiss Ihre Familie über Ihre Prioritäten/ Wünsche Bescheid?

N(etzwerk) > Wie leben Sie zuhause? Wer kann Sie, auch bei Komplikationen oder Schwierigkeiten unterstützen? Privat? Professionell? Wer ist Ihre wichtigste Bezugsperson, die auch Entscheidungen für Sie oder mit Ihnen treffen kann?

S(upport für Umfeld) > Um wen machen Sie sich Sorgen und wer ist zur Unterstützung für diese Person(en) da?

Aktionsplan besprechen

Schwerpunkt hier ist: Was tun bei einer kommenden/ absehbaren Komplikation/ Notfall? Um einen praktischen Aktionsplan mit konkreten Schritten zu erstellen, eignet sich die Form des Runden Tisches.

Alle Fachpersonen können einen Runden Tisch anregen.

Der RunderTisch

Was ist das Ziel

Standortbestimmung und Austrittsplanung
Abgleich des Wissensstands (wer muss was wissen?) und der Erwartungen bzgl. des Erreichbaren. Diskussion des Behandlungsplans gemäss SENS. Erstellen einer To Do Liste mit konkreten Aufgaben.
Runder Tisch

Was muss vorbereitet werden?

Standortbestimmung nach SENS
Das Betreuungsteam klärt mit der Patient:In, welche Themen besprochen werden und was Tabuthemen sind. Im Vorgespräch zwischen Ärztin/Arzt, Pflegepersonal und Patient:In erfolgt eine Standortbestimmung und es werden alle zu besprechenden Punkte erläutert. „Bad News“ dürfen nicht erstmals an einem Runden Tisch kommuniziert werden. Der Fokus liegt auf den Problemen des Patienten und nicht nur auf medizinischen Diagnosen und Therapien.

Herausforderungen

Zeit, Respekt und Vertrauen stehen im Zentrum
Das Gespräch sollte nicht länger als 45 Minuten dauern - Gesprächszeit einhalten. Vermeiden von Ausufern oder Dominanz einzelner Beteiligter/Berufsgruppe. Betroffene kommen nicht zu Wort - diese ins Gespräch einbeziehen. Erschöpfung/Ermüdung des Betroffenen ggf. Abbrechen. Mangelnde Vorbereitung und Austausch/Angleichen des Kenntnisstandes - Klärung von Fragen untereinander bei der Vorbereitung.

Wie informiere ich die Patientin/den Patient?

Der "Runde Tisch" soll helfen, Ihre Wünsche und Hoffnungen mitzuteilen.

Abgabe Broschüre

Wenn eine Krankheit fortschreitet, stellt sich die Frage, was in diesem Moment für den Betroffenen wichtig ist. Gemeinsam sollen Ziele und künftige Wege entwickelt werden. Im Zentrum stehen dabei Ihre Wünsche, Vorstellungen und Befürchtugen.
Runder Tisch - Information für Patient:Innen

Gesprächshilfen

Gut, dass sich alle Zeit nehmen konnten für diese Besprechung. Mein Name und Funktion ist: ……Wir versuchen gemeinsam in ca. 30 Minuten die wichtigsten Punkte des aktuellen Verlaufs und der Planung für den Austritt zu besprechen. Meine Rolle ist die Moderation und der Blick auf die Uhr. Sollte noch weiterer Besprechungsbedarf bestehen, vereinbaren wir am Schluss, wie es weitergeht

Können Sie uns schildern, was Ihre Wünsche, Fragen und Ziele sind? 

Darf ich kurz Zusammenfassen was ich bisher aus dem Gespräch verstanden habe? Sie haben geäussert, dass Ihnen (…) als Ziel wichtig ist und das Ihnen hauptsächlich (…) Sorgen macht. 

Abgleich Erwartungen mit Prognose: Aus unserer Sicht ist dies realistisch / leider eher unrealistisch / unter folgenden Bedingungen eventuell möglich. 

Teambericht durch Pflege: Aus pflegerischer Sicht, schätzen wir die Situation wie folgt ein (…). Wir sehen dass einige Ressourcen wie (…) vorhanden sind aber auch noch einige Problembereiche wie (…) zu klären sind. 

Teambericht durch Ärzt:In: Aus  medizinischer Sich schätzen wir die Situation wie folgt ein (….) – keine / so wenig wie möglich Fachausdrücke verwenden.

Ich erkenne, folgende Fragen / Wünsche / Bedürfnisse / Ziele, welche priorisiert werden sollen. Wurde das Ziel des Runden Tisch erreicht? 

Wie geht es Ihnen jetzt? Fühlen sich alle mit Ihren Anliegen, Wünschen und den vereinbarten nächsten Schritten gut abgeholt, oder gibt es noch etwas, das Ihnen wichtig ist?

Weiteres Vorgehen: Perspektive Patient:in (Illness) abholen: Was wären aus Ihrer Sicht die nächsten Schritte?

Perspektive Medizin (Disease) einbringen: Aus meiner Sicht wäre XY sinnvoll; Plan A (‘Schönwetter’), Plan B (‘Schlechtwetter’). Wer von Ihrem Umfeld sollte einbezogen werden in die weitere Planung?

Aktionsplan gemäss den SENS Bereichen priorisieren und durchsprechen/ definieren. Insbesondere Notfallplan konkretisieren: Was machen Sie, wenn nachts um 2 Uhr Komplikation/ Symptom XY auftritt?

Ich fasse die vereinbarten nächsten Schritte zusammen: (…)
Die Zuständigkeiten sind wie folgt festgelegt: (…)
Bis (…) erledigt (…) folgende Aufgaben: (…)
Wir vereinbaren ein weiteres Treffen am (…) mit (…).

Ich danke allen für die Teilnahme und schliesse den Runden Tisch.

Netzwerk informieren

Sicherheit im Netzwerk

Hohes Sicherheitsgefühl für Betroffene und Angehörigen im lokalen Netzwerk schaffen.

Informieren und instruieren

Betroffene, Angehörige und alle involvierten Fachpersonen klar informieren und instruieren: Zu Selbsthilfe/ Notfallmassnahmen. Sowie über die Rettungskette (Planungsgrundlage: Samstagnacht, 2 Uhr früh, d.h. keine idealisierte Planung) und Verantwortlichkeiten.