Gesundheitliche Vorausplanung – Wenn Sie ohne Erkrankung leben

Lernen Sie Schritt für Schritt, wie Sie heute schon für morgen vorausplanen können.

Was bedeutet die GVP für gesunde Menschen?

Die gesundheitliche Vorausplanung betrifft uns alle – auch wenn wir gesund sind. Ein Unfall, ein Herzstillstand oder eine schwere Diagnose kann jederzeit alles verändern. Der iPlan führt Sie durch vier Bereiche, die gemeinsam eine Grundlage schaffen.

Ich bin noch bei bester Gesundheit – und trotzdem weiss man ja nie. Deshalb ist es unentbehrlich, dass ich mit meinen Liebsten bespreche, was mir wichtig ist, wenn …»

Lena, 33 Jahre

Die vier Bereiche sind häufig in kurzer Zeit bearbeitet, es geht darum:

✔ persönliche Werte und Wünsche reflektieren.
✔ Eine vertretungsberechtigte Person bestimmen.
✔ Gespräche mit nahestehenden Personen führen.
✔ schriftliche Dokumentation.

Lena, 33 Jahre

Ihre Begleiterin auf dieser Seite:
Lena lebt mit Partner. Gesund, reist gerne und hat eine aktive Freizeitbeschäftigung .

Prognose einschätzen


Was wäre, wenn …?

Prognose – die erste Einschätzung Ihrer Situation.

Auch ohne Erkrankung lohnt es sich zu überlegen: Was würde ich mir wünschen, wenn ich plötzlich nicht mehr selbst entscheiden könnte – etwa nach einem Unfall, einem Herzstillstand oder Komplikationen bei einer Operation?

Diese erste Einschätzung bildet die Basis für alle weiteren iPlan-Schritte.

Fragen, die Sie leiten können

Denken Sie an Situationen wie einen schweren Unfall, einen Herzstillstand oder Komplikationen bei einer Operation. Was würden Sie sich in solchen Momenten wünschen?

Was sind Ihre Wünsche bezüglich medizinischer Behandlung und Betreuung – auch in schwierigen Situationen?

Es ist normal, Ängste zu haben. Benenne sie – das ist der erste Schritt, um diese mit Ihren Liebsten zu besprechen.

Überlegen Sie, welche nahestehenden Personen Sie in die Planung einbeziehen möchten und wie weit. Wem vertrauen Sie, diese Themen offen azusprechen. 

Beispiel

Lena überlegt: Sie ist jung und gesund, aber ein Freund hatte kürzlich einen Velounfall mit Bewusstlosigkeit. Das hat sie zum Nachdenken gebracht. Sie stellt fest, dass weder ihr Partner noch ihre Eltern wissen, was sie sich medizinisch wünschen würde. 

 

Lebensqualität erfassen


Was macht mein Leben lebenswert?

Lebensqualität – Werte, Wünsche und Grenzen

Im zweiten Bereich geht es darum, was Ihnen wirklich wichtig ist. Was macht Ihr Leben heute aus? Was gibt Ihnen Freude? Und welche Zustände wären für Sie aus heutiger Sicht nicht mehr akzeptabel?

Halten Sie Ihre Werte in der Patientenverfügung fest und überprüfe diese regelmässig.

Fragen, die Sie leiten können

Familie, Freunde, Arbeit, Hobbys – was sind die Dinge, ohne die Ihr Leben sich nicht vollständig anfühlen würde?

Denken Sie an konkrete Momente und Aktivitäten: Sport, Reisen, gemeinsame Abende, Natur – was davon ist für Sie unverzichtbar?

Welche Einschränkungen könnten Sie akzeptieren, welche nicht? Gibt es Zustände, die Sie klar ablehnen würden?

Diese Frage ist schwer, aber wichtig. Gibt es körperliche oder geistige Zustände, bei denen Sie keine lebensverlängernden Massnahmen mehr möchten?

Gibt es Ziele, Reisen, Ereignisse – z.B. die Hochzeit einer Nichte – die Ihnen besonders am Herzen liegen?

Beispiel

Lena liebt es, aktiv zu sein, zu reisen und Zeit mit ihrem Partner und Freunden zu verbringen. Für sie bedeutet Lebensqualität, selbstständig Entscheidungen treffen zu können. Eine starke Einschränkung ihrer Selbstständigkeit oder dauerhaftes Leiden wäre für sie kein akzeptabler Zustand.

Aktionsplan besprechen


Wer entscheidet für mich, wenn ich es nicht kann?

Aktionsplan – Vertretungsperson bestimmen, Patientenverfügung erstellen und Willen zur Organspende äussern. 

Der wichtigste Schritt für gesunde Menschen: eine vertretungsberechtigte Person bestimmen und die eigenen Wünsche in einer Patientenverfügung festhalten.

Fragen Sie jemanden, dem Sie vertrauen, ob er oder sie bereit ist, in Ihrem Namen zu entscheiden – und besprechen Sie mit dieser Person, was Ihnen wichtig ist.

Die eigene Lebenssituation kann sich immer wieder ändern. Deswegen sollten Sie das was wichtig ist, regelmässig überprüfen und anpassen.

Fragen, die Sie leiten können

Die Person muss Ihre Werte kennen und bereit sein, auch in emotionalen Momenten rational für Sie einzustehen.

Diese sollte klar zwischen ihren eigenen Vorstellungen und Ihren unterscheiden.

Überlegen Sie, wer informiert werden soll, wer mitentscheiden darf und wer die Hauptverantwortung trägt.

Sie halten fest: welche medizinischen Massnahmen Sie möchten oder ablehnen, wer Ihre vertretungsberechtigte Person ist, und wo das Dokument aufbewahrt wird.

Diese Entscheidung können Sie ebenfalls in Ihrer Patientenverfügung oder mit einem Organspendeausweis festhalten. 

Existiert kein Eintrag, entscheiden Ihre Angehörigen oder Ihre Vertretungsperson über eine mögliche Organspende.

Beispiel

Lena möchte alle notwendigen medizinischen Massnahmen erhalten, solange diese ihre Vorstellung von Lebensqualität nicht stark einschränken. Sie hat mit ihrem Partner gesprochen und ihn als vertretungsberechtigte Person in ihrer Patientenverfügung festgehalten. Auch mit Ihren Eltern und Schwester hat, Sie über ihren Willen gesprochen.

Empfohlene Hilfsmittel: iDecide App · FMH-Vorlage · Pro Senectute Vorlage · Broschüre: „Der Weg zu Ihrer Patietnenverfügung in 7 Schritten“

Netzwerk informieren


Wer muss was wissen?

Netzwerk – Dokumente ablegen und Umfeld informieren

Damit Ihre Vorausplanung im Ernstfall wirkt, muss Ihr Netzwerk informiert sein. Dokumente an einem zugänglichen, leicht auffindbaren Ort aufbewahren und Kopien verteilen – das ist der letzte, aber entscheidende Schritt.

 

Fragen, die Sie leiten können

An einem gut zugänglichen, leicht auffindbaren Ort zu Hause – nicht im Tresor oder Keller. Teile den Ablageort mit deiner vertretungsberechtigten Person. 

Wenn Sie regelmässig Medikamente einnehmen, dann sollte eine aktuelle Medikamentenliste rasch greifbar aufbwahrt werden – wichtig für Rettungsdienste.

Empfehlenswert: eine Kopie bei deiner Hausärztin / deinem Hausarzt hinterlegen und eine weitere bei Ihrer vertretungsberechtigten Person.

Es reicht nicht, das Dokument zu erstellen – die wichtigen Personen müssen auch wissen, was darin festgehalten ist.

Beispiel

Lena hat Ihre Überlegungen schriftlich festgehalten und mit ihren Liebsten besprochen. Jetzt bestimmt Sie den Ablageort ihrer Dokumente, hinterlegt eine Kopie bei ihrem Hausarzt und informiert ihre Netzwerk und vertretungsberechtigten Personen über Inhalt und Aufbewahrungsort. So stellt sie sicher, dass ihre Wünsche im Ernstfall respektiert werden.